„Frauenpolitische Themen sind ein bisschen unsexy geworden“

Hannah Stoewe von der Stiftung Christlich-Soziale Politik macht trotzdem Seminare zum Thema und möchte mehr mit bildungsfernen Zielgruppen arbeiten.

„Frauen und Politik?!“ heißt das Seminar und die Satzzeichen sind nicht zufällig. Schließlich sind Frauen in der Politik immer noch „stark unterrepräsentiert“, wie es in der Seminarankündigung des Veranstalters, der Stiftung Christlich-Soziale Politik, heißt. Und dann ist das Fragezeichen durchaus berechtigt – vielleicht gibt es ja auch Frauen, die sich das selbst fragen, was das eigentlich soll mit Frauen und Politik. In dem Seminar geht es um bedeutende Politikerinnen und ihr Leben, um die unterschiedlichen Karrierewege und auch um die speziellen Hürden, die sie überwinden müssen. Frauen in Parteien werden thematisiert, genauso wie das Politikerinnenbild in den Medien. Davon dürften auch die Teilnehmerinnen einiges zu berichten haben, denn das dreitägige Seminar richtet sich an alle, die sich mit Gleichstellungsfragen auseinandersetzen, ob hauptberuflich in Gleichstellungstellen oder ehrenamtlich in der Kommunalpolitik oder in Frauenverbänden. Männer können an diesen Seminaren natürlich auch teilnehmen, aber das passiert eher selten.

Internationale Frauenpolitik spannend machen

Konzipiert wurde das Seminar von der Bildungsreferentin der Stiftung Christlich-Soziale Politik, Hanna Stoewe, die das immer noch „so männlich dominierte politische Denken“ umtreibt. Sie freut sich besonders auf die internationalen Aspekte: Frauen wie Aung San Suu Kyi, Benazir Buto oder Christine Lagarde haben auf den ersten Blick nur gemeinsam, dass sie Politikerinnen und bekannt sind. „Genau das ist interessant, diese völlig unterschiedlichen Voraussetzungen, unter denen diese Frauen aktiv geworden sind“, so Stoewe. Aber trotz aller Referentinnen aus Forschung und Praxis – am meisten freut sich die die Seminarleiterin immer auf ihre Seminargruppe.

Die Lernziele sind nicht mehr so klassisch

Fragt man nach den Zielen, konkreter nach den Lernzielen, frauenpolitischer Seminare, winkt die Bildungsreferentin erstmal ab: „Ziele – das wäre mir jetzt zu viel, das klingt so nach Überzeugen. Es geht mehr um das Lernen von anderen, von den Politikerinnenkarrieren und von den anderen Teilnehmerinnen.“ Das zeichnet auch diese mehrtägigen Veranstaltungen aus, informieren und diskutieren kann man natürlich auch woanders, aber der unmittelbare persönliche Austausch in der Seminarumgebung ist das Besondere.

Hannah Stoewe würde gerne mehr frauenpolitische Seminare machen, weil sie das Thema auch persönlich interessiert, mehr als eins pro Jahr ist im Moment allerdings nicht geplant. Diese Seminare würden gebraucht, sagt sie, auch wenn das Thema unter dem schlechten Image der Frauenpolitik gelitten habe und „unsexy“ geworden sei. Die „Schere in den Köpfen“ sei immer noch da und heute spiele der Familienaspekt in der Frauenpolitik eine starke Rolle.

Nicht nur mehr Geld ist gewünscht in der politischen Bildung, auch Flexibilität

Viele Frauen litten unter Diskriminierung, „aber die besuchen dann leider nicht unsere Seminare, eben weil sie so in ihrer Situation hängen.“ Für diese Frauen, die man so gar nicht in die Akademien und Tagungshäuser bekäme, würde die Bildungsreferentin gerne mehr machen. Die gehören für sie zu den „bildungsfernen Zielgruppen“, mit denen würde sie gerne arbeiten, denn diese Frauen „wissen am besten, was sie selber wollen“. Aber um solche Angebote machen zu können, braucht man nicht nur mehr Geld, sondern vor allem mehr Flexibilität, diese Gelder einzusetzen. Oft würden in der politischen Bildung Angebote gemacht, die einfach nicht zu allen gleichermaßen passen. Besser wäre es zu gucken, welche Zielgruppe welche Unterstützung braucht und das dann auch anbieten zu können. Bei den Frauen ginge es beispielsweise um die Kompetenzen, die sie brauchen, um ihre eigenen Interessen überhaupt vertreten zu können. „Politische Partizipation kann eben völlig unterschiedlich sein“, so Stoewe.

Die Veranstaltungen

„Gefällt mir“ – Soziale Netzwerke (7.05.2012 – 9.05.2012)
Südosteuropa im Wandel – Bulgarien, Rumänien, Ungarn (7.05.2012 – 11.05.2012)
2012 – UNO-Jahr der Genossenschaft (11.05.2012 – 13.05.2012)
Frau und Politik?! (21.05.2012 – 23.05.2012)
Weimar – die überforderte Republik
(21.05.2012 – 23.05.2012)

Der Veranstalter

Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter / Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V.
Johannes-Albers-Allee 3, 53639 Königswinter
Tel: 02223/730, info@azk.de

Die Akteure

Hannah Stoewe
Stellv. pädagogische Leiterin
Ansprechpartnerin zu den Themen Seniorenpolitik, Gleichstellung,
Behindertenpolitik, Internet und zum Lotsenprojekt
Tel: 02223/73122

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