Buchenwald und Weimar. Zwei Orte und zwei Seiten der deutschen Geschichte

„Die Deutschen. Wie wurde im 20. Jahrhundert aus dem Volk der Dichter und Denker, das Volk der Richter und Henker?“ …

3Q8rLk2-fRzSO1WBNw_FynzC2ATHfa-TERJrg40cLhE… so stand es in der Ankündigung der Veranstaltung von Arbeit und Leben Bayern. Wir haben Elvira May-Lipp, ehrenamtliche Vorsitzende des ver.di-Bezirkes Würzburg-Aschaffenburg, zu einem Interview gebeten.

#apb13: Vom 4.5. bis 5.5.2013 haben Sie die Veranstaltung “Buchenwald und Weimar. Zwei Orte und zwei Seiten der deutschen Geschichte ” durchgeführt, worum ging es bei der Veranstaltung?
Wir wollten eine Bildungsreise durchführen: „Weimar erleben“ – die Stadt der Dichter und Denker, die Stadt der Bauhausarchitektur, die weltberühmte Anna-Amalia-Bibliothek, die Spuren der ersten Demokratie in Deutschland und auch des Faschismus im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald.

#apb13: Können Sie mir etwas zur Zielgruppe der Veranstaltung verraten?
Zielgruppe waren aktive Gewerkschaftsmitglieder aus dem Ortsverein Würzburg, also Betriebsräte, Vorstandsmitglieder und Vertrauensleute.

g7Gr7KH4T19jXugcId_ZUn5d9uRvrudfQAzdk-zH0pY#apb13: Die Auseinandersetzung mit der Thematik des Seminars ist heutzutage besonders wichtig, dennoch scheint es nicht immer leicht zu sein, Menschen dafür zu interessieren. Welche Erfahrungen haben Sie dazu gemacht?
Die Zielgruppe ist ja schon aktiv in demokratischen Gremien, wie z.B. Betriebsrats-Gremien. Deshalb waren sie auch dem Thema Demokratie/Faschismus gegenüber sehr aufgeschlossen.
Gerade durch die zeitliche Nähe mit dem 1. Mai, an dem sich in Würzburg in diesem Jahr Rechtsradikale eingefunden haben und wir als Gewerkschafter gemeinsam mit anderen demokratischen Organisationen wie Parteien und Kirchen in einem Bündnis „Würzburg ist bunt – nicht braun“ demonstrierten und der Gedenktag zum 2. Mai 1933, bei dem damals gerade die Gewerkschaftsfunktionäre von den Nazis verhaftet wurden, war die Betroffenheit deutlich zu spüren.

#apb13: Wenn Sie sich wünschen dürften, was die Teilnehmer/innen aus dem Seminar mitnehmen sollen, was wäre das?
Interesse an der Thematik, wie es zum Faschismus in Deutschland kam. Das wurde auch so in den Feedbackbögen zum Ausdruck gebracht.

ZWc7Qyx6Yn1NUxyPwuiHxr9fCWw8AwvPoJTrXo_B0Zw#apb13: Bei dem Seminar wird auch die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besichtigt, wie sind die Reaktionen der Teilnehmer/innen darauf?
Wir waren zuerst alle etwas ängstlich, was wir erleben würden. Erst war ein halbstündiger Film vorgesehen und danach ein geführter Rundgang durch das Gelände.  Durch die sehr sachkundige Führung wurde das System der Unterdrückung im KZ gut erläutert. Man fragt sich ja, wie es gehen kann, dass so viele Gefangene nicht revoltieren und sich gegen die Aufseher auflehnen.
Einige Teilnehmende haben dann noch anschließend nach der Führung die Ausstellungsräume besucht. Wir konnten dann auf der Rückfahrt die Eindrücke jeder für sich verarbeiten. Ein mitreisender Kollege, der sich in die Thematik „Stürmung der Gewerkschaftshäuser 1933“ eingearbeitet hatte, hat auf der Rückfahrt im Bus noch über die damaligen Vorgänge in Würzburg berichtet. Das hat eine große Betroffenheit ausgelöst, sind doch viele eben selbst als Betriebsräte und Gewerkschafter tätig.

84c7QF7y5Ap3c3pGMVueC1w9_duIdL62L2A2ZrlW54c#apb13: Bitte erzählen Sie mir etwas über den Besuch in der Anna Amalia Bibliothek.
Seit dem Brand in der Bibliothek im Jahre 2004 und der Wiedereröffnung in 2007 ist der Besuch ja streng kontingentiert. Wir waren deshalb froh, dass wir in zwei Gruppen überhaupt reingekommen sind. Man muss dann im Haus in große Filzpantinen schlüpfen, um den Boden zu schonen. Man schlurft also durch die – wenigen – Räume und läßt sich vor allem von der Stimmung im  Rokoko-Raum gefangen nehmen. Hier atmet man die Bündelung des Wissens aus vielen Jahrzehnten, bzw. – hunderten und das Bemühen der Herzogin Anna Amalia, das Wissen auch allgemein zugänglich zu machen. Und interessant ist es ja, dass es ja auch heute noch eine Bibliothek ist, nicht nur ein Museum.

ascbM3Whi2j8yCvrts0FMzFPyByf1PaNfi90qbBAnvo#apb13: Ein weiterer Punkt auf dem Programm des Seminars ist eine Stadtführung durch Weimar mit dem Thema „Demokratie und Nationalsozialismus“. Was kann man darunter verstehen? Welche Orte haben Sie beispielsweise besucht und wieso sind diese für die Thematik relevant?
Schon der Beginn der Führung, am Einkaufszentrum „Atrium“ war ein Hinweis auf die nationalsozialistische Vergangenheit. Es ist in den Räumen eines Verwaltungsgebäude eines Nazi-Gauleiters samt  Aufmarschgelände eingerichtet.
Beim Rundgang kamen wir auch am Nationaltheater vorbei – in diesen Räumen hat die Nationalversammlung im Jahre 1919 die Weimarer Verfassung ausgearbeitet und beschlossen – die erste demokratische Verfassung Deutschlands.

L10ZutugPyZ5C6FDenVJUnLkJ496TMGsHesETOqMDKY#apb13: Das Seminar besteht hauptsächlich aus Exkursionen, entstehen während der Besichtigungen auch (kontroverse) Diskussionen, ist dafür sogar Zeit eingeplant oder sind die  Besichtigungen eher inputorientiert?
Die Fahrt war eher input-orientiert, eine Diskussion kam vor allem am Abend zustande. Wir trafen uns mit Mitgliedern des ver.di-Ortsvereines Weimar und tauschten uns über unsere gemeinsame Arbeit aus.

#apb13: Warum ist die Auseinandersetzung mit dem Thema “Entwicklung zum Nationalsozialismus” heute wichtiger denn je?
Ich will nicht sagen, wichtiger denn je, sondern: immer wieder wichtig, um die eigene Rolle zu reflektieren. Festzustellen, wie wichtig es ist, sich selbst in demokratischen Gremien aktiv zu beteiligen, sei es in der Gewerkschaft, im Betriebsrat, im Verein, in einer Partei. Auch wenn es oft mühselig ist und viel Zeit und Nerven kostet. Nur das eigene Engagement hilft, antidemokratischen Entwicklungen entgegenzutreten.

#apb13: Gibt es noch etwas das Sie zur Veranstaltung sagen möchten?
Die Reise hat allen Teilnehmenden neue Erkenntnisse gebracht und in den ausgefüllten Feedbackbögen wurde von etlichen der Wunsch geäußert, sich über historische und politische Themen weiterzubilden. Diese Wünsche werden wir uns im Vorstand in nächster Zeit näher anschauen und überlegen, was wir daraus entwickeln können.

Elvira May-Lipp

Elvira May-Lipp

Die Akteurin
Elvira May-Lipp, ehrenamtliche Vorsitzende des ver.di-Bezirkes Würzburg-Aschaffenburg.

 

 

 

 

 

 

Der Veranstalter
ARBEIT UND LEBEN Bayern
Karl-Heilmann-Block 13
92637 Weiden i.d.OPf.
Deutschland
Tel.: 0961 – 63 45 77 – 05
E-Mail: schmid@bayern.arbeitundleben.de

Die Veranstaltungen
Buchenwald und Weimar. Zwei Orte und zwei Seiten der deutschen Geschichte

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