Extremrechte Gedanken erkennen – Rechtsextremismus aufhalten

Aus dem Seminar. Foto privat, nicht unter freier Lizenz.

Aus dem Seminar. Foto privat, nicht unter freier Lizenz.

Um Rechtsextremismus im Keim ersticken zu können, ist es wichtig, die kleinen Keime zu erkennen: Was sind rechtsextreme Ideologieelemente? Wie denken Rechtsextreme? Was sind rechtsextreme Ideologien und wo finden wir sie? Woran erkennen wir sozialdarwinistisches Gedankengut und wie können wir dem entgegen wirken? Um Antworten zu finden, hat Arbeit und Leben Hamburg die Fortbildung „breit aufgestellt“ konzipiert. „Breit aufgestellt“ dient der Sensibilisierung der Teilnehmenden für die Ursprünge und der Vermittlung von Strategien zur Prävention gegen Ausgrenzung und Sozialdarwinismus.

„Ausgrenzende Gedanken finden wir in der Mitte der Gesellschaft“, sagt Veranstalter Jens Schmidt von Arbeit und Leben Hamburg. Daher sei es so wichtig, auch dort anzusetzen. „Häufig wird gerade mit dem Verweis auf die vermeintliche Randständigkeit rechter Positionen eine Auseinandersetzung mit der weiten Thematik abgewehrt.” Daher seien diese Vorurteile gefährlich, weil sie oft nicht als problematisch erkannt und heruntergespielt würden. Und hier setzt die Fortbildung an. Deutlich stellt sie die Verbindung rechter Ideologieelemente mit der Mitte der Gesellschaft heraus.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „breit aufgestellt“ arbeiten ausnahmslos Bildungssektor. Erzieher, Jugendclubmitarbeiter, Berater, politische Bildner und Sozialarbeiter sind Multiplikatoren, die eine große Zielgruppe erreichen. Oft haben sie im Rahmen ihrer Arbeit Erfahrungen mit rechtsextremen Jugendlichen und Erwachsenen gemacht. „Wir wollen ihnen Methoden und Werkzeuge geben, wie sie jungen Menschen andere Optionen als den Weg in den Rechtsextremismus aufzeigen können“, sagt Schmidt.

An fünf Wochenenden durchlaufen die Teilnehmenden 13 Module. Begleitet werden die Pädagoginnen und Pädagogen dabei von einem Team aus Referenten, Wissenschaftlern und Sozialpädagogen. Jeder aus dem Team ist auf ein Thema spezialisiert und hat einen Workshop konzipiert.

In den einzelnen Workshops betrachten die Pädagoginnen und Pädagogen Ideologieelemente, wie Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Nationalismus und auch die wissenschaftlichen Theorien der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und Intersektionalität genauer. Jedes Modul arbeitet dafür mit eigenen Methoden. Im Workshop zum Antisemitismus finden die Teilnehmenden sich beispielsweise in einem Rollenspiel zu einem konkreten Fall von Antisemitimus wieder. Dazu schlüpfen sie in die Rollen von Dieter T. einem Lebensmittelhändler in Berlin und seiner Nachbarn, z. B. einem Ehepaar, das im gleichen Haus wohnt, einem Weinhändler von nebenan, einer Schülerin, die gegenüber wohnt.

Dieter hat 2003 sein Lebensmittelgeschäft auf koschere Lebensmittel umgestellt und war dadurch als Jude erkennbar. Nach wenigen Wochen wird er erst von Neonazis, dann von – wie er sagt – arabischen Jugendlichen bedroht. In kleinen Gruppen spielen die Teilnehmer die Situation durch und diskutieren Verhaltensweisen der Nachbarn. Wie hätte das Ehepaar helfen können, als Dieters Israel-Fahne eines Nachts abgerissen wurde? Durch einen kurzen Film über den konkreten Fall, reflektieren die Teilnehmer schließlich erneut das Verhalten der Beteiligten. So verbinden die Module immer Theorie und Praxis, Reflexion und Handlungsorientierung miteinander.
„Sich informieren und selbst reflektieren, Zivilcourage zeigen und aktiv Stellung beziehen, Betroffene unterstützen und Solidarität zeigen – Engagement gegen Rechts kann und muss genauso alltäglicher Teil des Lebens sein oder werden“, fordert Schmidt nicht nur von den Teilnehmern von „breit aufgestellt“, sondern von jedem.

Die Fortbildung ist ein gemeinsames Projekt vom Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben und der Bundeszentrale für politische Bildung. Sie ist Teil eines Fortbildungskonzepts, das bereits vergangenes Jahr angelaufen ist. Auch 2015 wird sie wieder durchgeführt.

Kontakt
Fortbildung „breit aufgestellt“ – Arbeit und Leben Hamburg
Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg
Larissa Denk
Telefon: +49 (0)40 284016-11
larissa.denk@hamburg.arbeitundleben.de
http://www.hamburg.arbeitundleben.de/pb/breitaufgestellt


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC BY 4.0-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Melanie Kolkmann für Aktionstage Politische Bildung 2014.