Fortbildungskonzept zum Thema Rechtsextremismus der bpb und des DGB Bildungswerks

Das DGB Bildungswerk sowie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) haben zusammen mit dem Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben und den Evangelischen Akademien in Deutschland ein umfassendes Fortbildungskonzept zum Thema Rechtsextremismus entwickelt. Hierzu haben wir ein Gespräch mit Kai Venohr (Bildungsreferent, DGB Bildungswerk) und Hanne Wurzel (bpb, Leiterin des Fachbereichs Extremismus) geführt.

#apb13: Frau Wurzel, gerne würden wir etwas über die Inhalte des umfangreichen Fortbildungskonzeptes erfahren, welches die bpb zusammen mit drei weiteren Einrichtungen entwickelt hat.

Das Fortbildungsprogramm „Rechtsextremismus: Prävention und Intervention“ wird ab 2013 von drei zentralen Trägern in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung angeboten.
Hierbei übernimmt das DGB Bildungswerk die Multiplikator/innenqualifizierung bezüglich des Wissens um verschiedene Erscheinungsformen, Aspekte und Wirkungsweisen der aktuellen rechtsextremistischen Strukturen in der Bundesrepublik. Qualifizierte Expertinnen und Experten führen die Teilnehmer/innen praxisnah in die komplexe Thematik ein und zeigen auch Methoden zum aktiven Handeln gegen rechtsextreme Tendenzen auf.
Die von Arbeit und Leben durchgeführte Fortbildung „Breit aufgestellt“ vermittelt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Einblick in die ideologischen Grundlagen des Rechtsextremismus. Anhand von Modulen werden die einzelnen Elemente rechtsextremistischen Denkens erläutert, um seine Gefahr für die Gesamtgesellschaft zu verdeutlichen und zudem ausgrenzende Tendenzen in der Mitte der Gesellschaft zu benennen.
Zusätzlich ist geplant, durch die Evangelischen Akademien in Deutschland eine bundesweite Fachtagung zum Themenkomplex Rechtsextremismus zu organisieren.

#apb13: Wie enstand die Idee zu dieser Fortbildungsmaßnahmen?

Im Vorfeld der Planungen wurde durch die Bundeszentrale ein Qualifizierungsbedarf von Multiplikatoren/innen bezüglich des Rechtsextremismus‘ in Deutschland festgestellt. Aus diesem Grunde suchte die bpb Kooperationspartner, die bereits über Expertise auf dem Gebiet der Multpiplikator/innenqualifizierung verfügen. Mit diesen Institutionen wurde ein Fortbildungskonzept entwickelt: Lehrer/innen, Sozialpädagogen/innen und anderen Akteuren/innen aus gesellschaftlichen Bereichen soll die Gelegenheit gegeben werden, bei einer Konfrontation mit rechtsextremen, menschenfeindlichen und ausgrenzenden Strukturen und Verhaltensweisen angemessen und präventiv reagieren zu können.
Die Angebote der Fortbildungen sollen sich thematisch ergänzen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein breites Spektrum an Wissen und Methoden zum Umgang vermitteln.
Das Fortbildungsangebot gliedert sich in verschiedene Module, die meist an Wochenenden stattfinden. Insgesamt sind sechs Module geplant. Weitere Infos sind auf der Seite www.bpb.de/Veranstaltungen abrufbar.
Innerhalb dieser Veranstaltung findet auch die Multiplikator/innenqualifizierung “Rechtsextremismus: Prävention & Intervention“ statt. Hierzu haben wir mit Herrn Venohr gesprochen. Er ist Bildungsreferent des Forums Politische Bildung / Multiplikatorenbildung des DGB Bildungswerks.

#apb13: Herr Venohr, welche Aspekte werden in dieser Ausbildung behandelt?

Innerhalb der Fortbildung werden unterschiedliche Aspekte und Wirkungskreise des aktuellen Rechtsextremismus beleuchtet. Es werden Situationen aus der Praxis aufgegriffen und unterschiedliche pädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt. Gleichzeitig werden mit Rechtsextremismus in Zusammenhang stehende Phänomene wie z.B. Rassismus und Antisemitismus vorgestellt und selbstreflexiv zum Thema gemacht.
Die Veranstaltungen sind praxisnah konzipiert. Sie werden von anerkannten Expertinnen und Experten durchgeführt, die auch ein vielfältiges Repertoire an Methoden vermitteln.
Im Seminar wird einschlägige Literatur und Medien (Bücher, Broschüren, Filme, Musik etc.) vorgestellt und es werden Materialien gezeigt und bearbeitet, die auch aus dem rechtsextremen Spektrum kommen. Es wird eine bunte Palette von Methoden und Medieneinsatz sein.

#apb13: Somit ist die Arbeit während des Seminars zur Hälfte theoretisch und zur Hälfte praktisch angelegt?

Die Arbeit ist sehr praktisch orientiert, es soll mit den Teilnehmenden an dem Themenkomplex in ihrer Wirklichkeit gearbeitet werden. Wir wollen die Teilnehmenden dort abholen, wo sie stehen und wo sie Unterstützung benötigen. Ein von den Teilnehmenden konzipiertes Praxisprojekt gehört ebenso zu der Fortbildung wie die Übung von Situationen, um sein eigenes Handeln reflektieren zu können. Der theoretische Teil besteht darin sich den politischen Begriffen, wie Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus etc., zu nähern und auch um Strukturen und Akteure der rechten Szene kennenzulernen.

#apb13: Welche Ausbildung haben die Multiplikator/innen nach der Veranstaltung?

Die Ziele sind, Multiplikator/innen fortzubilden, die innerhalb ihrer Einrichtungen bzw. ihrer Auftraggeber das Themenfeld Rechtsextremismus in ihrer Gesamtheit zu erfassen vermögen und Veranstaltungen planen und konzipieren können.

apb13: Das Seminar erstreckt sich über verschiedene Termine mit verschiedenen Themen. Müssen zwangsläufig alle Module besucht werden oder macht es auch Sinn nur bestimmte Veranstaltungen zu besuchen?

Die Fortbildung hat nur Sinn, wenn alle Module besucht werden. Wir bieten einen umfassenden Überblick über das Themenfeld Rechtsextremismus an. Genau das macht den Unterschied zu vielen anderen Fortbildungen aus, die sich auf einzelne Aspekte konzentrieren.

#apb13: Abgesehen von dieser Multiplikator/innenausbildung bietet das DGB Bildungswerk sicherlich noch weitere Fortbildungsmaßnahmen an.

Wir vermitteln Arbeitnehmer/innen sowie deren Interessenvertreter/innen Kenntnisse und Kompetenzen für die Mitgestaltung wirtschaftlicher, rechtlicher, sozialer und politischer Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt.
Wir verstehen uns als gewerkschaftlicher Dienstleister. Dabei entwickeln wir die persönlichen, beruflichen, gesellschaftlichen und politischen Interessen mit den Teilnehmenden aktiv weiter, arbeiten an ihren Wertvorstellungen und machen sie mit den Organisationsinteressen vertraut. Mit derzeit 32 Bildungsreferentinnen und Referenten und in enger Zusammenarbeit mit mehr als 250 Fachreferenten organisieren wir pro Jahr etwa 600 Tagungen, Seminare und Workshops. Mehr als 19.000 Menschen nehmen jedes Jahr daran teil. Die meisten Veranstaltungen finden in unseren eigenen Tagungs- und Bildungszentren in Düsseldorf, Hamburg und Hattingen statt. Außerdem gibt es „Inhouse“-Seminare in Unternehmen und Betrieben.

Die Veranstaltung
Multiplikator/innenqualifizierung Rechtsextremismus: Prävention und Intervention

Die Veranstalter
DGB Bildungswerk e.V.
Hans-Böckler-Str. 39
40476 Düsseldorf
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
http://www.dgb-bildungswerk.de

Bundeszentrale für politische Bildung
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
http://www.bpb.de

Die Akteure
Kai Venohr
Tel. 0211/4301-234 | E-Mail info@dgb-bildungswerk.de

Hanne WurzelHanne Wurzel
Tel. 0228/99515-0 | E-Mail info@bpb.de