Lernen für Jugendliche und junge Erwachsene attraktiv gestalten

Der Politische Arbeitskreis Schulen e.V. ist eine Einrichtung vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Themenvielfalt des PAS ist groß, sie reicht von Entwicklungspolitik über Ökologie bis hin zu Pornografie und Gewalt an Schulen. Oder wie wärs mal mit einer etwas anderen Studienfahrt bei der Stadtralley in Prag ?

Auf der Startseite des Politischen Arbeitskreis Schulen e.V. (PAS) steht “Am Wochenende auch noch Lernen”. Dies ist nicht als Frage formuliert, denn es geht hier nicht um trockenen, theoretischen Unterricht. Es geht vielmehr darum, Zusammenhänge zu begreifen, “denn was verstanden wird, braucht nicht auswendig gelernt werden”. Der PAS möchte Menschen dabei helfen, sich eine eigenständige Meinung zu bilden und diese auch behaupten zu können. Politik und politische Zusammenhänge werden nicht abstrakt erklärt sondern praktisch erfahren.

Stefan Neumann, hauptamtlicher pädagogischer Mitarbeiter, erzählt: “Der PAS veranstaltet im Jahr zwischen 60 und 70 Seminaren, die von rund 1500 meist jungen Menschen besucht werden. Wichtigste Zielgruppe sind prinzipiell alle jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Daneben richten wir uns auch an ältere Menschen, die ihrerseits mit diesen jungen Menschen zu tun haben, beruflich oder ehrenamtlich.”

Beim PAS möchte man das Lernen spannend, nachhaltig und somit als intensives Erlebnis gestalten. Aber nicht nur informationsorientierte Seminare sondern auch Fertigkeitenseminare werden hier angeboten, wie beispielsweise Rhetoriktrainings oder Workshops zum Thema Streitschlichtung. Die Kommunikationstrainings werden selbstverständlich für Jugendliche angeboten, mit dem ansprechenden Titel “Reden was das Zeug hält”, aber auch Rhetoriktrainings für Lehrer/innen und Referendar/innen stehen auf dem Fortbildungsprogramm. Themen, die zunächst nach trockener Theorie klingen, wie beispielsweise über die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern, werden in dem Workshop “Kann denn Mode Sünde sein?” praktisch aufgearbeitet und so interessant und ansprechend gestaltet. Zuerst soll der Blick in den eigenen Kleiderschrank gehen. Wie werden die Markenklamotten die dort hängen eigentlich produziert? Wo kommt die eigene Kleidung her? Der Workshop lädt die Jugendlichen am Alltagsbeispiel der eigenen Kleidung zum Nachdenken, Mitdenken und Mitmachen ein.

CC-by-nc-nd - Politischer Arbeitskreis Schulen e.V.

CC-by-nc-nd – Politischer Arbeitskreis Schulen e.V.

1956 ging der PAS aus dem Politischen Arbeitskreis Oberschulen hervor. Diese Einrichtung wiederum wurde als Gegengewicht zu den parteipolitischen Jugendorganisationen gegründet. Sie setzte sich für die Etablierung von Schüler/innenvertretungen an öffentlichen Schulen ein. Noch heute sieht sich der PAS diesem Anspruch verpflichtet. “Der historischen Tradition des PAS entsprechend stehen Veranstaltungen zu schulisch relevanten Themen im Vordergrund, insbesondere Seminare zum Thema Schüler/-innenvertretung und Rechten und Pflichten von Schülerinnen und Schülern”, sagt Stefan Neumann. “Unser Angebot richtet sich allerdings ebenso an andere Initiativen oder Gremien, in denen sich Jugendliche engagieren oder aktiv sind. Dies sind z.B. Eine-Welt-Initiativen oder Jugendbeiräte im Quartier. Die Teilnehmenden werden in unseren Seminaren strukturiert auf ihre Aufgaben inhaltlich und orga­nisatorisch vorbereitet und tragen die vermittelten Impulse sowie die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zurück in die jeweilige Einrichtung oder Initiativgruppe.”

Das Themenspektrum des PAS ist breit aufgestellt. So gibt es Veranstaltungen zur Entwicklungspolitik oder zu internationaler Politik aber auch zu Fragen von Migration, Ökologie oder Jugend und Gesellschaft. Auch das Thema Medien und Medienanalyse wird behandelt. Hier bietet der PAS Seminare an, die sich mit den Hintergründen neuer Informationstechnologien beschäftigen sowie auch mit der Mediengeschichte Deutschlands. Aber auch brisante Themen wie Pornografie und Gewaltdarstellung werden unter diesem Oberbegriff aufgegriffen. Generell sind es auch die vermeintlich heiklen Themen, wie (Drogen-)Sucht oder Gewalt an Schulen, die in Workshops und Seminaren aufgearbeitet werden.

CC-by-nc-nd - Politischer Arbeitskreis Schulen e.V.

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Neumann: “Der PAS arbeitet generell sehr zielgruppennah und richtet sich entsprechend an den Bedürfnissen und Hintergründen von Jugendlichen aus. Geleitet wird unsere Arbeit von dem Anliegen, den Jugendlichen auf der einen Seite die sie umgebenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse transparent zu machen, und sie andererseits in die Lage zu versetzen, effektiv mitzugestalten und zu verändern. Auf diese Weise versucht der PAS sowohl das politische Interesse Jugendlicher zu wecken wie auch politische Initiativen von Jugendlichen zu begleiten und zu för­dern. Die klassische politische Institutionenkunde gehört ebenso in unser Programm wie Entwicklungspolitik, Europäische Integration, Globalisierung, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, Drogenprobleme, Gewaltprävention und konstruktive Konfliktbearbeitung.”

Die Themenauswahl der Seminare erfolgt beim PAS nicht ausschließlich durch deren Mitarbeiter/innen. Der PAS regt im Gegenteil dazu an, dass die Jugendlichen mitbestimmen. “Der PAS richtet Veranstaltungen zu einer Vielzahl weiterer politischer Themen aus, die für Jugendliche von Interesse sind oder sein können. Diese werden von uns in offenen Ausschrei­bungen angeboten wie auch von den interessierten Jugendlichen selbst nachgefragt oder vorge­schlagen.”, so Neumann.

Diese Möglichkeit der Mitgestaltung von Anfang ist wichtig für die “Partizipation der Teilnehmenden”, weiß Stefan Neumann. Denn auch bereits bestehende Themenpunkte, können beim PAS von den Teilnehmenden als “Wunschseminar” mitgestaltet werden. Von Beginn an werden die Teilnehmenden hier in die Planung miteinbezogen. So gibt es Vortreffen mit den  interessierten Gruppen oder Besuche bei den partizipierenden Schulen: “Wo dies nicht möglich ist, erfolgen möglichst detaillierte Absprachen mit Blick auf die gewünschten Inhalte, Interessen und Bedürfnissen mit Vertreter/innen von einzelnen anfragenden Gruppen über die möglichen Kommunikationswege.” erzählt Neumann. “Je nach Thema werden die benötigten Materialien zusammengestellt oder eigens für ein Seminar neue Materialien erarbeitet. Zu diesem Prozess gehört auch die Beratung der Teilnehmenden mit Blick auf unsere Möglichkeiten und natürlich auch Einschränkungen.”

Ein weiterer Grund, weshalb die Veranstaltungen für die Jugendlichen besonders ansprechend gestaltet sind, ist wahrscheinlich die Tatsache, dass viele der Mitarbeiter/innen selbst einmal Teilnehmende waren. Sie können so ihre eigenen Erfahrungen einbringen, Ideen weiterentwickeln und die Arbeit noch weiter verbessern. “Der PAS hat vier pädagogische Mitarbeiter/innen in Teil- bzw. Vollzeit. Unsere vielfach nebenberuflichen oder ehrenamtlichen Seminarleiter/innen stammen in der Regel aus dem Kreis der Teilnehmenden an den Seminaren, sie waren meist in ihren Schülervertretungen, den Jugendorganisationen von Parteien oder zivilgesellschaftlichen Initiativen aktiv.”

Um die komplexen Aufgaben, die so eine Veranstaltung mit sich bringen kann, im Blick zu behalten, werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen dann über Seminarassistenzen auf ihre Arbeit vorbereitet.

Doch nicht nur Seminare bietet der PAS an. Auch Exkursionen und Studienfahrten werden organisiert. Und auch hier gilt: Mitbestimmung ist ein oberstes Gebot. Die Programmpunkte werden mit den Teilnehmer/innen abgesprochen, der Besuch (politischer) Institutionen ist wünschenswert, aber nicht Pflicht. Hier werden ebenfalls nicht ausschließlich politische Themenschwerpunkte behandelt. Auch aus den Bereichen Kunst und Kultur, Geschichte und Alltag gibt es thematische Angebote. Bei vielen Fahrten geht es auch ganz banal darum, eine Stadt abseits der üblichen Touristenpfade kennenzulernen. So wird eine Prager Stadtralley veranstaltet mit dem Untertitel “Willkommen bei der Prag-Trophy – nichts für harte Männer und Frauen, eher was für clevere und gewitzte Leute, eben für Kenner/-innen.” Es wird also deutlich, wie das PAS versucht Lernen durch Erfahrungen zu gestalten.

CC-by-nc-nd - Politischer Arbeitskreis Schulen e.V.

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Stefan Neumann: “Lebendiges und kreatives Lernen kann an dieser Stelle nur skizziert werden. Das Lernen beim PAS ist lebendig, weil die Inhalte über vielfältige aktivierende Methoden vermittelt und angeeignet werden. Je nach Inhalten sind das z.B. Plan- und Rollenspiele, Simulationen, Lernen an authentischen Orten, Exkursionen, eigenständige Recherchen, das Drehen eigener Filmen und vieles mehr. Kreativ ist das Lernen mit dem PAS, weil die Jugendlichen sich in der Regel von uns unterstützt selbst Ziele setzen können und sich Lösungen oder Strategien erarbeiten, um diese Ziele eigenständig zu erreichen. So werden auf den meisten Seminaren zur Förderung der Partizipation Probleme bei der Mitwirkung systematisch erfasst, analysiert und gemeinsam Lösungen zur Überwindung der Hindernisse entwickelt. In diesem Zusammenhang erfolgt z.B. auch die Vermittlung von rechtlichen Rahmenbedingungen oder von praktischem Know-how zur Verbesserung der Mitwirkung. Nicht weniger kreativ und lebendig sind interaktive (Stadt-)Erkundungen oder Recherchen, bei denen sich Jugendliche soziale und politische Probleme im direkten Kontakt mit Betroffenen und Beteiligten erarbeiten und diese für Präsentationen künstlerisch und/oder journalistisch aufbereiten. “

Der Akteur
Stefan Neumann
Hauptamtlicher Pädagogischer Mitarbeiter
Tel.0228/6899870 | E-Mail info@pas-bonn.de

Die Institution
Politischer Arbeitskreis Schulen e.V.
Studiengemeinschaft
Staatlich anerkanntes Bildungswerk
Weberstraße 4
53113 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
http://www.pas-bonn.de