„Nie sind die Sterne so, wie bei uns in der Heimat“

Heimat deine Sterne –Tabarz. Ausschnitt aus dem Film.

Heimat deine Sterne –Tabarz. Ausschnitt aus dem Film.

Was ist Heimat? Warum sie verlassen? Warum bleiben? Regisseur Thierry Bruehl besuchte fünf Städte und fragte die Bewohner, was für sie Heimat ist. Er führte 500 Gespräche, 200 Interviews, dokumentierte die Dörfer zu jeder Jahreszeit, um dem Begriff Heimat näher zu kommen. So entstanden fünf filmische Kapitel der Dokumentation „Heimat, deine Sterne“ über Menschen, wie es früher war, heute ist und morgen sein könnte.

In den ostdeutschen Regionen wie der Inselbergregion, der Lausitz, dem Geiseltal, Sassnitz auf Rügen und dem Erzgebirge in Sachsen leben die Menschen, die im Mittelpunkt von Bruehls Dokumentarfilmen stehen. „Heimat ist dort, wo mein Zuhause ist, wo meine Freunde und Familie sind“, sagt ein Jugendlicher aus der Lausitz. Und damit hat er einen Kern von „Heimat“ getroffen. Heimat ist der Ort, verbunden mit seinen Menschen. Das Dorfleben, die Nachbarschaft, die Familie, die eigenen Vereine – all das gehört zu ihrer Heimat. Doch was passiert, wenn die Dorfgemeinschaft aufbricht, wenn das Dorf immer mehr schrumpft, wenn die Kinder weit wegziehen und Freundschaften verloren gehen? In stillen Bildern und mit ruhigen Tönen fängt Bruehl die Lebenssituationen der Menschen ein. Monumentale Bilder der Landstriche stellt er neben die persönlichen Erinnerungsstücke, der Bewohner. So treten die Menschen hervor, die ihre ganz persönliche Sicht auf Heimat und ihr Leben schildern.

„Dass ich dieses Glück hatte in dieses Kraftwerk zu kommen! … Meine Frau und ich haben gesagt, das ist unser drittes Kind und so haben wir auch gelebt.“ Die Menschen, die Thierry Bruehl besuchte, leben in strukturschwachen Regionen. Hier kämpfen sie gegen eine hohe Arbeitslosenquote, eine schwindende Infrastruktur und mit der Überalterung ganzer Dörfer. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gespräche sich immer wieder um das Thema Arbeit drehen und, wie eng das Heimatgefühl mit einer sicheren Arbeitsstelle verwoben ist. „Früher hat jeder Arbeit gehabt, die haben sich zusammengeschlossen und auch Feiern zusammen gemacht. Und jetzt bist du arbeitslos, dann gehöre ich nicht mehr dazu.“

In Geiseltal beschäftigt die Menschen ein See: Früher einmal war dort dein Dorf, das dann dem Braunkohlebaggern weichen musste. Und nun ist ein Naherholungsgebiet entstanden. „Das Schlimme ist ja, den Ort gibt’s ja nicht mehr, wo ich aufgewachsen bin. Auch wenn ich sehe, dass sich jetzt hier was Neues entwickelt, mit dem Geistalsee. Aber trotzdem, wenn man sieht: da, wo du gespielt hast, mit den Kumpels, das ist alles weg, wie gesagt … das tut weh.“

Heimat deine Sterne – Lausitz. Ausschnitt aus dem Film.

Heimat deine Sterne – Lausitz. Ausschnitt aus dem Film.

Wie in den Filmen ganz deutlich, wird ist Heimat ein emotionales Thema, doch Bruehl erzählt die Heimatgeschichten ohne gefühlsduselig zu sein. Auch wird deutlich, dass jeder zu Heimat eine Meinung und eigene Vorstellungen hat. So interviewte der Regisseur Menschen aller Altersstufen und querbeet durch die Berufsgruppen: ein Fischer, Feuerwehrleute und Wasserschutzpolizisten, Kinder und Bürgermeister, Rentner und Familien, Schüler und Berufstätige, Ehrenamtliche in Sport- und Kulturvereinen und Pendler bei Opel in Eisenach ergriffen vor der Kamera das Wort. „Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl.“
Im Oktober 2011 begannen Thierry Bruehl und sein Team mit den Dreharbeiten, am 23. Mai öffnet Bruehl das nächste Kapitel mit seiner Dokumentation über das Erzgebirge in Sachsen auf www.heimatsterne.com. Wir sind gespannt!

Das Projekt „Heimat, deine Sterne“ wird in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e.V. realisiert und durch das Bundesministerium des Inneren im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gefördert.

Kontakt:
Arbeit und Leben e.V. DGB/VHS
Robertstraße 5a
42107 Wuppertal
Telefon: +49 (0) 202 – 97 404 – 0
Telefax: +49 (0) 202 – 97 404 – 20
www.arbeitundleben.de


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC BY 4.0-Lizenz (mehr dazu). Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor: Melanie Kolkmann für Aktionstage Politische Bildung 2014.