Politische Bildung mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen

Das Netzwerk „Verstärker“ bildet Multiplikator/innen in der politischen Bildungsarbeit mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen aus.

Die bpb hat das Netzwerk „Verstärker“ ins Leben gerufen, um eine Plattform für Wissenschaft und Praxis im Bereich der politischen Bildungsarbeit mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen zu etablieren. „Verstärker“ versteht sich dabei als offenes, informelles Netzwerk, das sich vor allem an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren richtet, die in diesem Bereich tätig sind. Es soll ein interdisziplinärer Austausch ermöglicht werden, um gute Praxisbeispiele und relevante Studienergebnisse weiterzutragen.

bpb St++hleJährlich finden Netzwerktreffen statt, bei denen aktuelle wissenschaftliche Impulse vorgetragen und diskutiert werden. Daraus entwickelt das Netzwerk die fachlichen Schwerpunkte für das kommende Jahr. Auch Jugendliche werden in die Arbeit einbezogen: 2012 gab es eine Veranstaltung in Berlin, bei der mit sechzig Jugendlichen Kriterien für Bildungs- und Projektarbeit erarbeitet wurden. Wichtig ist dabei, dass die Angebote für die Jugendlichen attraktiv gestaltet werden. Denn ein Großteil politischer Bildungsveranstaltungen erreicht nur Jugendliche und junge Erwachsene, die gezielt danach suchen.

Saskia Mey, Referentin im Fachbereich Zielgruppenspezifische Angebote der Bundeszentrale für politische Bildung, möchte innovative Ansätze und Methoden schaffen, die den Jugendlichen Spaß machen und ihr Freizeitverhalten, ihre Interessen aber auch ihre Mediennutzung widerspiegeln.

Teilnehmer JugendlicheDerzeit beschäftigt sich das Netzwerk intensiv mit der Frage, wie soziale Netzwerke zur Initiierung politisch bildnerischer Prozesse mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen stärker genutzt werden können. Auch wurde innerhalb des Netzwerks ein Seminarkonzept entwickelt, welches das politische Bewusstsein von Jugendlichen fördert, indem für sie bedeutsame Begriffe wie Ehre, Respekt und Anerkennung im Kontext von neuen Medien aufgegriffen und besprochen werden. In diesem Jahr wird es außerdem verschiedene Aktionen für Jugendliche geben, die sich mit der Bundestagswahl beschäftigen. Julia Pfinder ist Koordinatorin und Projektleiterin beim Netzwerk „Verstärker“ und möchte, dass diese Veranstaltungen den Jugendgruppen einerseits Spaß machen, andererseits aber auch politische Meinungsbildungsprozesse initiieren.

Die Jugendlichen, von denen hier die Rede ist, stammen oft aus einem bildungsfernen Elternhaus; doch ist ihr gesamtes soziales Umfeld für die Nutzung von Angeboten der politischen Bildung relevant. Wichtig ist es daher, dass Menschen, die einen persönlichen Bezug zu den Kindern und Jugendlichen haben, einen Nährboden für politisches Interesse schaffen. Das können Lehrer/innen, Pädagog/innen und Sozialarbeiter/innen sein, doch auch Bezugspersonen aus dem Freizeitumfeld, wie Sporttrainer/innen oder Musiklehrer/innen können diese Aufgabe erfüllen. Denn genau diese Personengruppen können die Interessen der Jugendlichen erfragen und ihnen dabei behilflich sein, sich für ihre Belange einzusetzen.

Pr+ñsentationUm den Kreis genau dieser Personen – die Jugendlichen für politische Bildungsarbeit begeistern können – zu erweitern, wurde in einer Arbeitsgruppe des Netzwerks ein Konzept für eine Qualifizierungsreihe für Multiplikator/innen entwickelt. Es sollen gezielt diejenigen unterstützt werden, die mit den Jugendlichen etwas im Bereich der politischen Bildungsarbeit erreichen möchten. Der Wunsch nach einer solchen Qualifizierung entstammt aus dem Netzwerk selbst. Denn bisher, so Julia Pfinder, gibt es keine vergleichbaren Fortbildungsmöglichkeiten auf dem Bildungsmarkt. Bei den Netzwerktreffen wurde diese Idee zu Qualifizierung aufgegriffen und eine Arbeitsgruppe formiert, die hierzu ein Konzept entwickelte. Mitwirkende waren dabei Akteure aus Wissenschaft und Praxis und solche, die bereits eigene Erfahrungen aus dem Bereich Fortbildung mitbringen konnten.

In sieben aufeinander aufbauenden Modulen wird im Laufe eines Jahres an verschiedenen Orten in Deutschland die Qualifizierung durchgeführt. Da sich diese an Teilnehmende aus ganz Deutschland richtet, sei es einerseits fair, dass alle verschiedene Ort für den Besuch der Reihe aufsuchen müssen, andererseits „möchten wir durch die unterschiedlichen Orte auch Unterschiede in den Regionen thematisieren, denn die Rahmenbedingungen für politische Bildungsprozesse und die Auseinandersetzung mit der Zielgruppe sind in Berlin andere als in einem Vorort von München.“ erklärt Saskia Mey. Wie bereits geschildert, richtet sich die Veranstaltung an Multiplikator/innen der politischen Bildung und Beteiligung mit Praxiserfahrung. Mey sieht hier eine breitgefächerte Teilnehmendengruppe: „Sowohl politische Bildende, die sich mit spezifischen Angeboten für die Zielgruppe auseinandersetzen wollen, sind willkommen, als auch Teilnehmende mit sozialpädagogischem Hintergrund, die zwar mit der Zielgruppe gut vertraut sind, sich aber dezidiert im Bereich der politischen Bildung qualifizieren möchten. Auch Studierende, die bereits erste Praxiserfahrungen gesammelt haben, können an der Qualifizierungsreihe teilnehmen. Wir freuen uns natürlich besonders über Teilnehmende, die die Inhalte der Reihe im Anschluss weitertragen und auch praktisch anwenden können.“

Teilnehmer2Während der Qualifizierung werden wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt, praxisrelevante Methoden
ausprobiert und politisch-bildnerische Ansätze erarbeitet und vermittelt. Die Teilnehmenden sollen Möglichkeiten finden, bildungsbenachteiligte junge Menschen durch spezifische Angebotsformen in Partizipationsprozesse zu involvieren. Wie das funktionieren kann, erklärt uns Julia Pfinder: „Die Teilnehmenden lernen zielgruppenspezifische Zugangsformen und Ansprachemöglichkeiten kennen und erarbeiten Themen und Methoden, die sich für politische Bildungsangebote für bildungsbenachteiligte Jugendliche eignen. Es wird aber auch um ganz praktische Fragen gehen, die einem in der Projektarbeit begegnen: Wie plane ich ein Projekt? Wie finde ich geeignete Kooperationspartner? Wie stelle ich die Finanzierung von Projekten sicher? Welche Evaluierungsmethoden gibt es?“

Das Seminar möchte Impulse aus der Wissenschaft in die Praxis transferieren. Dazu werden Methoden angewendet, die die Teilnehmenden auch selbst in der Arbeit mit Jugendlichen nutzen können. Auch werden die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, ein eigenes Praxisprojekt zu konzipieren und durchzuführen. Das Erlernte soll parallel in die Praxis umgesetzt werden können.

Die Qualität der Reihe ist den Veranstaltern wichtig. So wird die Qualifizierungsreihe vom Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die Veranstalter möchten sicher gehen, dass die hohen Ansprüche erfüllt werden und möglicher Verbesserungsbedarf dokumentiert wird.

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Die Veranstaltung
Qualifizierung für die politische Bildung mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen

Die Veranstalter
Netzwerk Verstärker
Bundeszentrale für politische Bildung
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
www.bpb.de

Die Akteure
Julia Pfinder
Projektleiterin Netzwerk Verstärker i. A. der bpb
Tel. 089/973 953 84 | E-Mail verstaerker@juliapfinder.de
Saskia Mey
Bundeszentrale Politische Bildung
Fachbereich Zielgruppenspezifische Angebote
0228/99 515279 | E-Mail Saskia.Mey@bpb.de