Politisches Bewusstsein festigen und eine lebendige Zivilgesellschaft fördern

Miriam Keune, Dozentin an der Politischen Bildungsstätte Helmstedt e.V., stellt Ihre Einrichtung und deren Arbeit vor.

#apb13: Frau Keune, erzählen Sie uns doch bitte was die Politischen Bildungsstätte Helmstedt e.V. (PBH) genau ist.

Die Politische Bildungsstätte Helmstedt ist seit ihrer Gründung 1974 eine öffentlich anerkannte und geförderte Einrichtung der politischen Erwachsenenbildung in Niedersachsen und eine Heimvolkshochschule. Sie ist überparteilich und überkonfessionell. Entstanden ist die PBH vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und der geografischen Lage Helmstedts an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und mit dem Ziel, der Entfremdung zwischen den Deutschen auf beiden Seiten entgegen zu wirken und über die konträren Systeme zu informieren.Heute ist die Geschichte und Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert ein Bestandteil der angebotenen Seminare, genauso wie aktuelle politische Themen.

#apb13: Was kann man unter eine Heimvolkshochschule (HVHS ) verstehen?

Die Idee der Heimvolkshochschule stammt von dem dänischen Pädagogen Nikolai Grundtvig (1783 – 1872). Ganz modern setzte er sich mit seinen Heimvolkshochschulen für ein lebenslanges Lernen ein, getrennt vom Alltag und alltäglichen Zwängen, unabhängig vom Staat, um zumeist politisch zu bilden und zu informieren. Leben und lernen unter einem Dach ist bis heute das Motto der Heimvolkshochschulen. Die Niedersächsischen HVHS sind thematisch ganz unterschiedlich ausgerichtet, auch in ihrer Trägerschaft. Die Politische Bildungsstätte Helmstedt ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein, mit dem Ziel, über Politik und politische Entwicklungen zu informieren.

#apb13: Erzählen Sie uns etwas mehr über die Arbeit der PBH. Was genau macht die Politische Bildungsstätte Helmstedt ?

In der PBH werden Seminare zu historisch-politischen und aktuellen politischen Themen angeboten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte dienen alle Veranstaltungen dazu, zu informieren und zu einem Informations- und Erfahrungsaustausch anzuregen sowie ein politisches Bewusstsein zu festigen, das auf Demokratie, Toleranz und Pluralismus fußt und damit eine lebendige Zivilgesellschaft fördert.

#apb13: An welche Zielgruppe  richten sich die Seminare der PBH?

Die Seminare richten sich an alle Interessierten des jeweiligen Themas und sind grundsätzlich offen für jede/n.

#apb13: Was ist Ihre Position innerhalb der Politischen Bildungsstätte Helmstedt?

In der Politischen Bildungsstätte bin ich eine von drei pädagogischen Mitarbeiter/innen und als Dozentin tätig. Als Historikerin beschäftige ich mich bevorzugt mit Geschichtsthemen aus dem 20. Jahrhundert. Das Themenspektrum, das in der PBH angeboten und von uns unterrichtet wird, ist sehr breit und beinhaltet neben historischen Themen tagesaktuelle Diskurse und Entwicklungen wie den europäischen Integrationsprozess, Themen zur anstehenden Bundestagswahl, internationale sicherheitspolitische Aspekte oder wie in der angesprochenen Veranstaltung auch die politischen Bewegungen in den Staaten im Norden Afrikas seit dem „Arabischen Frühling“.

#apb13: Auf Ihrer Internetseite steht, dass die PBS  eine qualitätstestierte Einrichtung ist. Was bedeutet das genau?

Um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, überprüfen alle Heimvolkshochschulen in Niedersachsen regelmäßig die Qualität ihrer Arbeit mit einer sogenannten Qualitätstestierung, die sich auf die gesamte Einrichtung bezieht: von den organisatorischen Abläufen, dem Gästehaus, der Küche bis zur Programmplanung.

#apb13: Sie sind mit einer Veranstaltung bei den Aktionstagen Politische Bildung 2013 vertreten: Wieso ist es für Sie wichtig, eine Veranstaltung in diesem Rahmen anzubieten?

Für die PBH, eine Einrichtung, die sich der Politischen Bildung verschrieben hat, ist es eine wunderbare Gelegenheit, mit den Aktionstagen auf unsere alltägliche Arbeit  hinzuweisen und exemplarisch auf unsere Programme. Damit wird gleichzeitig die Vielfalt der Bildungslandschaft zum Thema Politische Bildung in Deutschland verdeutlicht.

#apb13: Bitte erzählen Sie uns etwas zu der angebotenen Veranstaltung “Volksaufstände im Wandel der Zeiten: Vom 17. Juni 1953 bis zum Arabischen Frühling 2011”. Was sind die Inhalte dieser Veranstaltung?

Aufhänger des Seminares ist das Jubiläum des Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni 1953. Hinter Aufständen stehen in der Regel viele Gründe, zu ihnen gehört immer auch die Einforderung bestimmter Menschen- und Bürgerrechte. Über dem Seminar steht die Frage nach der Kraft und Bedeutung von Demonstrationen und (Volks-)Aufständen im weitesten Sinne. Wir schauen zu verschiedenen Zeiten in verschiede Regionen und analysieren die Hintergründe und Auswirkungen für die Menschen und das jeweilige System; wenn es passt, wie bei Aufständen im ehemaligen Ostblock, vergleichen wir sie. Doch nicht nur historische Aufstände werden untersucht, auch die aktuellen Auswirkungen des Arabischen Frühlings auf die einzelnen nordafrikanischen Staaten werden vergleichend vorgestellt und untersucht.

#apb13: Was sind die Ziele der Veranstaltung?

Zum einen geht es darum, die historischen Volksaufstände wieder in das Bewusstsein zu rufen und einzuordnen. Zum anderen soll über die Analyse der unterschiedlichen Hintergründe, Abläufe und ihrer jeweiligen Dynamik für gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Stimmungen/Spannungen in totalitären bzw. nicht-demokratischen Systemen sensibilisiert werden. Zum dritten sollen die Möglichkeiten ausgelotet werden, die in den jeweiligen Protestformen steckten und stecken.

#apb13: Richtet sich die Veranstaltung an eine bestimmten Personenkreis?

Wie bei allen Veranstaltungen ist auch dieses Seminar offen für alle Interessierten. Aus organisatorischen Gründen werden wir es jedoch in den September 2013 verschieben. Das aktuelle Datum und den Ablauf finden Sie zeitnah auf der Homepage http://www.pbh-hvhs.de/.

#apb13: Während der Veranstaltung ist eine Exkursion nach Leipzig geplant: Was genau wird dort stattfinden?

Die Exkursion führt uns in die Geschichte Leipzigs zur Zeit des Volksaufstandes am 17. Juni 1953. Auf den Spuren des Aufstandes beschäftigen wir uns mit dessen Auswirkungen für die Menschen der Stadt.

#apb13: Was möchten Sie, als Leiterin des Seminars,  was die Teilnehmer/innen der Veranstaltung aus dieser mitnehmen?

Ich hoffe, dass die Teilnehmer/innen über die Informationen zu den verschiedenen Aufständen ein neuen/anderen Zugang zu den Ländern und Ländergeschichten erhalten, dass sie zugleich sensibilisiert werden für gesellschaftspolitische Stimmungen und Umbrüche, und dass als drittes die Bedeutung und der Einfluss von Protesten und dem Einfordern von Rechten, auch und gerade in nicht-demokratischen Staaten deutlich wird.