v.f.h. – Das Bildungswerk von jungen Menschen für junge Menschen

Beim v.f.h. handelt es nicht etwa um die Abkürzung eines Fußballvereins, sondern um den Verein
zur Förderung politischen Handelns e.V.
Und der Name ist Programm.

Seminare für Schülervertretungen, Erstwählerkonferenzen, Fertigkeitenseminare und die
FerienAkademie – gerade für junge Menschen gibt es hier ein breites und interessantes Angebot,
das Neugier weckt und zum politischen Handeln motiviert.

#apb13: Guten Tag Herr Schmidt-Rost, Sie sind Bildungsreferent beim v.f.h. und durch Ihre
Arbeit bestens mit der Geschichte des Vereins vertraut. Erzählen Sie uns etwas über die
Entstehung des v.f.h.

Schmidt-Rost: 2012 hat der v.f.h. sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Im Sommer 1992 hatte sich eine Gruppe junger Menschen zusammengefunden, die schon in einem Vorgängerverein aktiv
war. Sie wollten gemeinsam andere junge Menschen für Politik begeistern. Das ist bis heute
unser Ziel. Unser Name ist recht sperrig, er macht aber klar, was wir wollen. Wir wollen nicht
nur über Politik informieren, sondern wir wollen zu politischem Handeln motivieren und
qualifizieren. Dabei ist es uns wichtig, die Teilnehmenden nicht in eine politische Ecke zu
drängen, sondern wir wollen einen Raum bieten, in dem sie sich überlegen können, was ihnen
wichtig ist und wo sie sich dafür einsetzen möchten. Als Verein sind wir überparteilich. Aber
jede und jeder, die/ der bei uns mitarbeitet, hat eine eigene Meinung. Vielleicht noch eine
kurze Anekdote zur Entstehung des Namens: Es gibt die Legende, dass er erfunden wurde, als
parallel im Radio die Bundesliga-Schlusskonferenz lief. VfB – VfL – v.f.h. – Verein zur
Förderung politischen Handelns e.V.

#apb13: Sie sagen, dass Sie junge Menschen für Politik begeistern möchten. Wie funktioniert das?

Schmidt-Rost: Wir haben Bildungsangebote für verschiedene Zielgruppen. Für Schüler/innen ab 15 bieten wir die FerienAkademie Politik an. Unsere WochendendAkademie Politik richtet sich an
junge Erwachsene ab 18. Viele der Teilnehmenden sind Studierende, manche junge Berufstätige
oder auch Freiwilligendienstleistende. Bei beiden Seminarreihen treffen Leute aufeinander, die
sich für Politik interessieren und die mehr wissen wollen, als das, was in den Medien zu
erfahren ist. Der v.f.h. macht auch Seminare für Menschen, die sich bisher kaum oder gar nicht
für Politik interessieren. Beispielsweise veranstalten wir für Förderschüler/innen in Viersen
Seminartage zum Thema Kommunalpolitik. Trainings für Schülervertretungen gestalten wir für
Schüler/innen aller Schulformen.

#apb13: Wird in den Veranstaltungen auch kontrovers diskutiert oder treffen sich hier eher „Gleichgesinnte“?

Schmidt-Rost: Zweimal ja. Zum Selbstverständnis des v.f.h. gehört, dass kontroverse, aber faire Diskussionen Teil jeder unserer Veranstaltungen sind.

CC-by-nc-nd - by Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.

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Dies spiegelt sich auch in den
politischen Haltungen unserer Leitenden und Mitglieder wieder. Es sind alle Positionen, die
auch im Bundestag vertreten sind, im Verein präsent. Gleichgesinnte treffen sich in dem Sinne,
dass die meisten der Leute, die an unseren Veranstaltungen teilnehmen, spätestens nach dem
Seminar, Politik spannend und wichtig finden.

#apb13: Ihre Seminarthemen sind sehr aktuell und haben oft einen konkreten Bezug zum aktuellen politischen Geschehen, wie beispielsweise die Konferenz für Erstwähler/innen. Ist die Arbeit
in den Veranstaltungen somit auch eher praxisnah konzipiert oder gibt es eher einen
theoretischen Input für die Teilnehmer/innen?

Schmidt-Rost: Das ist von Veranstaltung zu Veranstaltung verschieden. Bei den angesprochenen Wahlkonferenzen wird es ganz konkret um die Wahlprogramme und Positionen der verschiedenen
Parteien gehen. Der Tagesworkshop soll den Erstwähler/innen helfen, eine begründete
Wahlentscheidung zu treffen. Mehr Informationen sind unter www.erstwaehlerkonferenz.de zu
finden. In der WochenendAkademie-Reihe haben wir auch Seminare, die aktuelle Themen
aufgreifen, wie beispielsweise vom 21. – 23. Juni das Seminar „Politische Himmelsrichtungen –
die Parteien vor der Bundestagswahl„. Wir bieten durchaus auch Seminare an, in denen vor allem
wissenschaftliche Studien und deren theoretische Annahmen diskutiert werden. Allerdings ist
auch bei diesen Seminaren immer das Ziel, den Bogen zum politischen Handeln zu schlagen. Das
Interesse an Seminaren zu politischen Theorien hat nachgelassen. Sie waren früher ein
Spezialgebiet des v.f.h. Sehr gefragt sind weiterhin unsere Seminare zum politischen
Handwerkszeug, wie Moderation, Rhetorik, Projektmanagement. Diese bieten wir als
Bestellseminare auch immer wieder in Kooperation mit Vereinen, Fachschaften oder
Jugendparlamenten an.

#apb13: Der v.f.h. bietet auch FerienAkademien an. Wie kann man sich so eine FerienAkademie
vorstellen?

Schmidt-Rost: Die FerienAkademien sind fünf Tage Spaß rund um Politik und philosophische
Fragen. Dabei werden grundsätzliche Fragen diskutiert, wie etwa: Warum gibt sich eine
Gesellschaft Regeln? Was sind gerechte Regeln? Wie weit dürfen die Freiheiten des Einzelnen
durch Regeln eingeschränkt werden?

CC-by-nc-nd - by Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.

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Diese Fragen gehen wir mit verschiedenen Methoden an, zum Beispiel: Simulationen, kurze
Planspiele, philosophische Texte, verschiedene Diskussionsformate und viele andere mehr. Das
Programm ist also sehr abwechslungsreich. Zudem ist die FerienAkademie eine super Gelegenheit,
um sich mit anderen Engagierten zu vernetzen.

Wenn ich mich an die FerienAkademie zurück erinnere, an der ich selbst teilnahm, denke ich
besonders gerne an die Gespräche mit den Leitenden und Referierenden in der Freizeit. Mit
ihnen konnte ich über die Zukunft nach der Schule sprechen, denn sie waren schon an der Uni
aber noch nicht so weit weg wie die anderen Erwachsenen, die ich damals kannte. Dieses Paket
aus spannenden Diskussionen, anderen Leuten, die Engagement cool und wichtig fanden, sowie
langen Abenden hat mich begeistert. Es hat mich so begeistert, dass ich mich in den folgenden
Jahren auf verschiedenen Positionen für den v.f.h. engagierte und heute sogar für den v.f.h.
arbeite.

#apb13: Viele Ihrer Seminarleiter/innen, so wie Sie selbst auch, waren einmal
Teilnehmer/innen bei v.f.h. Haben Sie allein durch das Teilnehmen gelernt, wie man ein Seminar
veranstalten kann oder gibt es bei Ihnen interne Schulungen oder Anleitungen, die dabei helfen
Seminarleiter/in zu werden?

CC-by-nc-nd - by Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.

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Schmidt-Rost: Das stimmt, viele unserer Leiter/innen waren selber einmal Teilnehmende. Bevor sie aber zum ersten Mal vor einer Gruppe stehen, gibt es eine Schulung. Dann werden die
weniger Erfahrenen immer im Team mit Erfahreneren eingesetzt. Zudem organisieren wir für alle
unsere Leitenden und Referierenden regelmäßig Fortbildungen.

#apb13: Ich möchte noch einmal zurück zu den Freizeitangeboten des v.f.h. kommen.
Das klingt ja für uns Erwachsene ganz spannend, aber haben junge Leute überhaupt Lust, in
ihrer Freizeit „auch noch“ politisch aktiv zu sein?

Schmidt-Rost: Mit Sicherheit, sobald der Funken einmal übergesprungen ist. Aber es scheint einen Trend zu geben, dass junge Menschen zumindest meinen, sie hätten immer weniger Zeit für
gesellschaftliches Engagement. Die Verkürzung der Schul- und Studienzeit ist für die
außerschulische Bildung ebenso wie für viele Vereine, Initiativen oder auch die Parteien eine
echte Herausforderung.

#apb13: Wie kann man junge Menschen am ehesten für politische Arbeit interessieren?

Schmidt-Rost: Ein Geheimrezept haben wir auch nicht. Wenn man es aber schafft, glaubhaft zu vermitteln, dass Menschen Möglichkeiten haben, ihr Umfeld mitzugestalten, ist das meistens
ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Schlüssel ist, die Menschen – ob jung oder älter –
ernst zu nehmen; ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Wenn man ausgehend von ihren Anliegen
überlegt, wie sie sich für ihre Interessen am besten einsetzen können, kommt man meist schon
ein gutes Stück weiter.

#apb13: Gibt es einen Weg auch Jugendliche zu erreichen, die aus einem eher bildungsfernen Elternhaus kommen?

Schmidt-Rost: Diese Zielgruppe erreichen wir vor allem über Kooperationen mit Schulen. So machen wir in Zusammenarbeit mit Schulen SV-Trainings oder thematischen Seminare
beispielsweise zur Kommunalpolitik. Mit Veranstaltungen, die wir frei ausschreiben, haben wir
bei dieser Gruppe weniger Erfolg. Wenn sie aber mal bei uns waren, schätzen sie unsere Arbeit.

#apb13: Kann man mit politischer Jugendarbeit generell einer Politikverdrossenheit vorbeugen?

Schmidt-Rost: Ich denke, man kann einen Beitrag dazu leisten. Beispielsweise kann das
Verständnis für die Vielfalt der Herausforderungen, mit denen politische Akteure konfrontiert
sind, vor überzogenen Erwartungen und damit Enttäuschungen schützen. Vor allem aber kann
politische Bildungsarbeit zu eigenem politischen Engagement motivieren. Wichtig ist es, dafür
Möglichkeiten aufzuzeigen, wo jede/r einen Unterschied machen kann.

#apb13: Ab welcher Altersstufe würden Sie sagen, ist es wichtig Kinder oder Jugendliche für politische Belange zu interessieren bzw. darüber zu informieren?

CC-by-nc-nd - by Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.

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Schmidt-Rost: Es gibt Organisationen, die schon mit Kindergartenkindern tolle Arbeit machen. An unseren Trainings für Schüler/innenvertretungen nehmen zum Teil bereits elfjährige teil.
Kinder haben durchaus recht früh Vorstellungen davon, was sie wollen und was sie für richtig
und falsch halten.

#apb13: Reicht Ihrer Meinung nach der Politikunterricht an Schulen aus, um aus Kindern
politisch interessierte und im besten Fall politisch aktive Erwachsene zu machen?

Schmidt-Rost: Fast nie. Die außerschulische politische Bildung ist eine ganz wichtige
Ergänzung, die es deutlich öfter schafft, junge Menschen für politisches und
gesellschaftliches Engagement zu begeistern.

#apb13: Sie haben viele Projekte in Kooperation mit anderen Einrichtungen veranstaltet. Ist die Vernetzung der verschiedenen Einrichtungen im Bereich politische (Jugend-)Bildung
ausreichend oder meinen Sie, dass hier noch Ausweitungsbedarf besteht?

Schmidt-Rost: Ich denke, die politische Bildungslandschaft ist trotz ihrer Vielfalt durchaus gut vernetzt. Ein gesellschaftlicher Dialog darüber, dass junge Menschen immer weniger Zeit
für Engagement außerhalb der Ausbildung an Schule und Hochschule haben, wäre allerdings sehr
wünschenswert, denn die verkürzten Schul- und Studienzeiten machen allen Einrichtungen, die
auch vom Engagement junger Menschen leben, sehr zu schaffen.

#apb13: Herr Schmidt-Rost, wir bedanken uns vielmals, dass Sie uns einen so umfangreich
Überblick über den v.h.f. geben konnten.

Schmidt-Rost: Herzlichen Dank für die Möglichkeit den v.f.h. hier vorzustellen.

Christian Schmidt-Rost

Christian Schmidt-Rost

Der Akteur
Christian Schmidt-Rost
Bildungsreferent
Tel. 0228/9635 551 | E-Mail mail@vfh-online.de

Die Institution
Verein zur Förderung politischen Handelns e.V.
Rathausgasse 11 a
53111 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
http://www.vfh-online.de

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