Willkommenskultur und Ausgrenzung international diskutiert

Die Internationale Winterschule – Ein Projekt der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein, im Interview Bildungsreferentin Jane Baneth
Jane Baneth, Foto der Kurt Löwenstein Jugendbildungsstätte

Jane Baneth, Foto der Kurt Löwenstein Jugendbildungsstätte

#apb: Liebe Frau Baneth, jedes Jahr veranstalten Sie Ende Dezember in der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein die Internationale Winterschule. Jetzt war das Thema „Flucht, Migration und Abschottung Europas“. Wer hat das Thema gewählt?
Baneth:
Das internationale Team der Bildungsstätte bildet ein Netzwerk an Aktiven der Jugendarbeit, die außerschulische Bildungsarbeit im internationalen Bereich anbieten. Alle Mitglieder dieses Netzwerkes sind Mitglieder der internationalen Partner_innenorganisationen der SJD – Die Falken. Auf einem jährlichen Teamtreffen mit allen Mitgliedern des internationalen Teams der Bildungsstätte, wurde entschieden, ein Seminar zum Thema Flucht und Migration zu machen.

#apb: Warum haben Sie dieses Thema gewählt?
Baneth:
Ausgrenzung von Minderheiten und Rassismus sind in den europäischen und nahöstlichen Gesellschaften leider oft gelebte Praxis der Mehrheitsgesellschaft. Menschen, die aufgrund von prekären wirtschaftlichen Verhältnissen in ihrem Heimatland oder aus politischen Gründen migrieren müssen, werden nur selten angemessen an ihrem neuen Wohnort willkommen geheißen. Sie müssen sich oft mit starker Ablehnung ihrer neuen Mitbürger_innen auseinandersetzen. Demonstrationen gegen die Errichtung von Unterkünften für Geflüchtete oder gezielte Anschläge auf Geflüchtete von den Bevölkerungen sind keine Seltenheit. Die Hoffnung von Geflüchteten nach ihrer Migration in einer sicheren Umgebung zu leben, ist nicht immer gewährleistet. Deshalb haben wir uns entschieden mittels Jugendarbeit, Aufklärung und Protest einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Geflüchteten und der Willkommenskultur anzustreben.
Zudem werden Flüchtende aus außereuropäischen Staaten durch Institutionen wie Frontex – European Union Agency u.a. davon abgehalten Europa auf unbeschadetem Weg zu erreichen. Tausende von Menschen werden monatlich an den Grenzen von Italien und Spanien etc. abgewiesen und ihnen die Einreise verweigert. Bei dieser Art der Abweisung haben nur die wenigsten die Chance auf ein gesetzlich festgelegtes Asylerfahren. In unserem Seminar haben wir uns mit den hier nur kurz umrissenen Missständen in unserer Gesellschaft in den Bezug auf den Umgang mit Geflüchteten beschäftigt.

Internationale Winterschule 2015, Foto der Kurt Löwenstein Jugendbildungsstätte

Internationale Winterschule 2015, Foto der Kurt Löwenstein Jugendbildungsstätte

#apb: Wer sind die Teilnehmenden der Internationalen Winterschule?
Baneth:
Die Teilnehmenden waren Aktive der Jugendarbeit und Mitglieder unserer Partnerorganisationen sowie aus dem internationalen Netzwerk EDUNET-SDE (Educational Network für Solidarity, Democracy and Equality). Insgesamt haben 120 junge Menschen aus 20 verschiedenen Ländern an der Internationalen Winterschule teilgenommen. Die 18- bis 25-Jährigen kamen größtenteils aus europäischen und nahöstlichen Ländern: Von Irland bis Palästina und vom Senegal bis Deutschland. Für die Teilnehmenden ist es ein interessantes Thema, mit dem sie sich identifizieren können. Sie fragen: Warum werden Menschen ausgrenzt nur weil sie woanders herkommen oder ein besonders Bedürfnis haben zu emigrieren.

#apb: Wie haben Sie das Thema „Flucht, Migration und Abschottung Europas“ erarbeitet?
Baneth:
Wir hatten acht Arbeitsgruppen mit eigenen Schwerpunkten wie „Sprache und mediale Aufarbeitung”, „Wie findet Flucht statt”, „Warum flüchten Menschen”, „Legitimation von Flucht” und „Bildungsaktivitäten mit Geflüchteten” vorbereitet. Das letzte war ein Thema, dass nah an der Lebenswelt und an dem Alltag der Teilnehmenden ist, denn viele unserer Partner_innenorganistaionen arbeiten mit Flüchtlingen und integrieren Geflüchtete in ihre Bildungsangebote. Zum anderen haben die Teilnehmenden zuhause innerhalb ihrer Delegationen Workshops vorbereitet, wir versuchen unsere Seminare so hierarchiefrei wie möglich zu gestalten, so dass ein Peer-basierter Lernansatz möglich ist.

#apb: Was ist Ihr Highlight der Woche gewesen?
Baneth:
Ganz klar die Abschlusspräsentation am letzten Abend. Hier haben alle Teilnehmenden ihre Ergebnisse aus den thematischen Arbeitsgruppen präsentiert. Sie zeigten Fotocollagen, Videos, erzählten von neuen Methoden und ein Gruppe hatte ein Theaterstück vorbereitet. Das war ein emotionaler und motivierender Moment: Alle gehen daraus mit neuen Ideen und einer neuen Motivation zurück in ihre Organisation.

#apb: Was ist ihr Fazit zur Veranstaltung?
Baneth:
Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung mit spannenden Diskussionen. Die Teilnehmenden aus den unterschiedlichen Ländern haben viele neue Ideen und Methoden ausgetauscht und entwickelt, um im Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund stark zu sein. Zudem haben sie Handlungsstrategien gegen die Ablehnung von Flüchtlingen und gleichzeitig für eine Kultur der Anerkennung entwickelt.

#apb: Vielen Dank für das Gespräch!  

 


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC BY 4.0-Lizenz (mehr dazu).
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor (Text): Melanie Kolkmann für Aktionstage Politische Bildung 2015.