Globale Migration – ein Thema des AdB

Friedrun Erben, Foto vom AdB

Friedrun Erben, Foto vom AdB

Interview mit Dr. Friedrun Erben, Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V.

#apb: Liebe Frau Dr. Erben, bitte stellen Sie sich und den Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. (AdB) kurz vor.
Erben:
Der AdB ist ein bundesweiter Fachverband der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Unter seinem Dach haben sich mehr als 100 Einrichtungen zusammengeschlossen. Dazu gehören z. B. Jugendbildungsstätten, Heimvolkshochschulen, internationale Begegnungsstätten und Akademien, deren Arbeitsschwerpunkt in der politischen Bildung liegt. Der AdB ist konfessionell und parteipolitisch ungebunden. Er bietet seinen Mitgliedern ein Forum für fachlichen Erfahrungsaustausch und Fortbildungen und realisiert eine bildungspolitische Interessenvertretung. Er wird vom BMFSFJ gefördert. Ich bin Referentin für Kommunikation und Medien in der Geschäftsstelle des AdB und Redakteurin der Fachzeitschrift „Außerschulische Bildung“, die der AdB vierteljährlich herausgibt.

#apb: Sie haben 2015 das Jahresthema „Globale Migration – Zuwanderung, Flucht und Asyl im Fokus politischer Bildung“ gewählt. Welche Herausforderungen stellen Flucht und Migration an unsere Gesellschaft?
Erben:
Bereits im vergangenen Jahr, als die Entscheidung für dieses Thema fiel, waren die Situation und die Schicksale von Flüchtlingen – besonders an den Außengrenzen Europas – unhaltbar. Die Lage hat sich aktuell weiter verschärft und bedarf einer klaren Positionierung und eines entschiedenen politischen Handelns. Politische Bildung kann diese Situation nicht verändern, sie kann aber die Urteilsfähigkeit im Umgang mit Flucht und Migration schärfen, sie kann die Menschenwürde von Flüchtlingen zum Thema in den Veranstaltungen politischer Bildung machen und sie kann Flüchtlinge mit ihren Angeboten erreichen. In der Stellungnahme, die die AdB-Mitgliederversammlung im November 2014 verabschiedet hat, heißt es dazu: „Es bedarf schnellstmöglich einer politischen Lösung, ein menschenwürdiges System zu schaffen … Es braucht einen gesellschaftlichen Konsens darüber, wie praktikable Antworten auf Fragen nach geregelter Migration aussehen können …“ Es muss „… eine zentrale Aufgabe der politischen Bildung in einer Einwanderungsgesellschaft sein, Flucht und Migration in Bildungsangeboten zu thematisieren. Ein gesellschaftlicher Konsens zur Migrationspolitik kann nur über eine demokratische Auseinandersetzung der Bürgerinnen und Bürger und der Politik erfolgen.“

Aus dem Film, Foto von Hotel Carlifornia unter CC BY 4.0.

Filmausschnitt, Foto von Hotel Carlifornia unter CC BY 4.0.

#apb: Welche Ziele verfolgen Sie im Rahmen dieses Schwerpunktes?
Erben:
Mit dem Jahresthema 2015 bekommen die Träger politischer Bildung Anregungen, Angebote zu diesem Themenfeld auszubauen und neue Formate zu entwickeln, sie bekommen aber auch die Gelegenheit, ihre Angebote über das Jahresthema und die Möglichkeiten eines bundesweiten Verbandes sichtbarer zu machen. Nicht zuletzt kann sich der AdB mit so einem aktuellen und drängenden Thema natürlich auch positionieren.

#apb: Wer beteiligt sich mit Veranstaltungen zum Jahresthema, können Sie Beispiele nennen?
Erben:
Hier verweise ich Sie gern auf unseren Veranstaltungskalender, der die Breite der Angebote und der Anbieter deutlich macht. Aber ein besonderes Projekt möchte ich herausgreifen: Hotel California. Es ist ein Film- und Bildungsprojekt, das vom ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Drochtersen-Hüll mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung realisiert wurde. Zusammen mit professionellen Filmemachern ist ein Film entstanden, den die Beteiligten nun an verschiedenen Orten vorstellen und mit den Zuschauerinnen und Zuschauern über die dort sichtbar werdenden Themen ins Gespräch kommen. Über dieses Projekt wird in der Ausgabe 2/2015 der „Außerschulischen Bildung“ ein ausführlicher Bericht erscheinen.

#apb15: Wer sind die Teilnehmenden?
Erben:
Die Teilnehmenden, die mit den Veranstaltungen erreicht werden (sollen), sind sehr unterschiedlich. Bei manchen Veranstaltungen werden bestimmte Gruppen angesprochen, wie z.B. Expert_innen von Flüchtlingsorganisationen, Vertreter_innen der Bundeswehr, Ehrenamtliche aus Freiwilligendiensten oder Vertreter_innen aus internationalen Jugendverbänden. Sehr viele Veranstaltungen richten sich aber an Bürger_innen, die am Thema interessiert sind und sich engagieren wollen, an Jugendliche mit und ohne Flucht- und/oder Migrationserfahrungen oder an Berufsschüler_innen.

#apb: Was können die Teilnehmenden lernen?
Erben:
Auch hier kommt es natürlich sehr auf das Veranstaltungsformat und das gesetzte Ziel an: Viele Veranstaltungen verstehen sich als eine Plattform für Austausch, Diskussion, Reflexion und Sensibilisierung und wollen Anregungen für Handlungsmöglichkeiten geben. Andere Angebote wollen eher informieren, Wissen über Asylrechtsfragen, internationales und europäisches Recht vermitteln, aufklären und dokumentieren. Die Veranstaltungen reagieren oft auf unmittelbare Bedarfe vor Ort und schaffen damit einen Raum für diese Themen, der oftmals so nicht vorhanden ist, vor allem, wenn durch populistische Aktionen die Stimmung besonders aufgeheizt ist und eine große Unsicherheit unter den Menschen herrscht.

Filmausschnitt mit Merlin und Yasin, Foto von Hotel Carlifornia unter CC BY 4.0.

Filmausschnitt mit Merlin und Yasin, Foto von Hotel Carlifornia unter CC BY 4.0.

#apb: Können Sie nach dem ersten Quartal schon eine Zwischenbilanz ziehen? Bisher haben ca. 15 Veranstaltungen stattgefunden; 30 weitere sind bereits von unseren Mitgliedseinrichtungen gemeldet worden. Der Kalender wird kontinuierlich ergänzt. Die Veranstaltungen sehr unterschiedliche Formate haben: Bürgerforum, Workshop, Barcamp, Fortbildung, Diskussionsveranstaltung, Wochenendseminar, internationale Begegnung etc.

#apb: Haben Sie schon ein Feedback bekommen?
Erben:
Ein jugendlicher Teilnehmer und Schauspieler im Filmprojekt Hotel California sagte: „Was ich mit dem Film erreichen möchte ist, dass etwas geändert werden sollte, zeigen, was rassistisch ist und wie Flüchtlinge in Deutschland behandelt werden.“ Darüber braucht es eine demokratische Auseinandersetzung. Dazu will der AdB einen Beitrag leisten.

Weitere Informationen, den Veranstaltungskalender, Links, Material und Publikationen sowie die jeweils in der Zeitschrift „Außerschulische Bildung“ erschienenen Beiträge finden Sie unter www.adb.de/jahresthema.

Kontakt:
Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V.
Unabhängige Institutionen für politische Bildung und Jugendarbeit
Mühlendamm 3
10178 Berlin
Tel.: +49 (0)30 400 401 00
www.adb.de
E-Mail: info@adb.de


Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC BY 4.0-Lizenz (mehr dazu).
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor (Text): Melanie Kolkmann für Aktionstage Politische Bildung 2015.