Interventionen 2015 | Refugees in Art & Education

Interventionen Grafik von Philipp Striegler

Grafik von Philipp Striegler

Festival und Tagung der Kulturprojekte Berlin

Vom 11. bis 13. Juni 2015 findet in Berlin „Interventionen” statt. Das Festival startet mit einer Open Stage für Jugendliche und junge Erwachsene. Menschen, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, treten zusammen mit Menschen auf, die hier schon Fuß gefasst haben. Der Freitag ist geprägt von fünf Workshops und der Frage, wie Flüchtlinge stärker in unsere Gesellschaft integriert werden können. Der Abschlusstag wird bunt: verschiedene Künstler und Musiker stellen Projekte vor und laden zum Diskutieren ein. Wir haben mit Moritz von Rappard gesprochen, einer der Organisatoren des Kulturfestivals.

Moritz von Rappard

Moritz von Rappard, Foto nicht unter freier Lizenz

#apb: Herr von Rappard, Sie veranstalten ein Festival mit dem Titel „Interventionen | Refugees in Art & Education“. Wie können wir uns das vorstellen? Was passiert da?
von Rappard: Die „Interventionen“ sind eine Begegnungs-, Austausch- und Arbeitsplattform: Menschen mit und ohne Fluchthintergrund tauschen sich auf kreative Weise über Perspektiven Kultureller Bildung aus, die explizit Menschen einbezieht, die noch nicht lange hier leben.
Wir möchten Jugendliche und Erwachsene, Geflüchtete und schon länger hier Lebende, Kulturaktivist_innen, Verwaltungsmenschen, Künstler_innen, Lehrer_innen und viele andere in diesem Bereich aktiv zusammenbringen. Menschen aus unterschiedlichsten Kontexten diskutieren anhand ausgewählter Projekte aus dem ganzen Bundesgebiet wie gesellschaftliches Zusammenleben zukunftsweisend gestaltet werden und was die kulturelle Bildung dazu beitragen kann.

#apb: Was ist die Idee hinter den „Interventionen“?
von Rappard: Die „Interventionen“ bieten drei Tage Gelegenheit, um ein Themenfeld, die damit Beschäftigten und letztlich auch sich selbst zu intervenieren und auf diese Weise neue Denk- und Handlungsräume aufzumachen. In diesem Sinne wollen die „Interventionen“ keine Botschaften aussenden, sondern vielmehr zum hemmungslosen Fragen einladen.

#apb: Was ist Ihr persönliches Highlight der Tage?
von Rappard: Die Hoffnung, dass wir mit den drei sehr unterschiedlichen Veranstaltungsformaten Räume schaffen können, in denen sich Jugendliche und Erwachsene, Menschen mit mehr oder weniger Fluchtgeschichte mit Aufmerksamkeit und Respekt begegnen.

#apb: Warum ist Kulturelle Bildung wichtig, gerade wenn es um das Thema Flucht und Migration geht?
von Rappard: Zum einen bietet Kulturelle Bildung eine unglaubliche Chance jenseits von Sprache über künstlerische Formen mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu treten und gemeinsam etwas zu entwickeln, das über die Horizonte aller Beteiligten hinausweist. Zum anderen kann die Kulturelle Bildung auf experimentelle Weise visionäre Möglichkeitsräume öffnen, die im Alltag sonst unerkannt bleiben.

#apb: Wo sehen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Kultureller und Politischer Bildung?
von Rappard: Zunächst einmal scheint es mir Unterschiede in den Erwartungen, den Arbeitsweisen und schließlich auch in den Zielvorstellungen zu geben. Wo mir die Politische Bildung vergleichsweise themenorientiert erscheint, habe ich den Eindruck, dass die Kulturelle Bildung stärker auf das Prozessuale setzt. Oder anders gesagt, wo die Politische Bildung auf kritisches Denken und Handeln zielt, inspiriert die Kulturelle Bildung zu kreativem Denken und Handeln. Letztlich aber gibt es natürlich überall dort Überschneidungen, wo es um Gesellschaftsrelevanz geht. Deshalb denke ich, dass Kulturelle Bildung und Politische Bildung sich deutlich mehr austauschen, vernetzen und verbünden sollten.

Anmeldeschluss für die Tagung, am Freitag, 12.06.2015, 10.00–18.00 Uhr, zum Kulturfestival ist der 10. Mai.

Creative Commons Lizenzvertrag Dieser Artikel steht unter der CC BY 4.0-Lizenz (mehr dazu).
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: CC-by-Lizenz, Autor (Text): Melanie Kolkmann für Aktionstage Politische Bildung 2015.